Matthias Maywald

Mit Abstand, aber im Glauben verbunden

Pfingsten 2020<div class='url' style='display:none;'>/</div><div class='dom' style='display:none;'>evang-roggwil.ch/</div><div class='aid' style='display:none;'>3</div><div class='bid' style='display:none;'>2147</div><div class='usr' style='display:none;'>28</div>

Gewöhnungsbedürftig war er, der Gottesdienst zu Pfingsten in evangelisch Roggwil. Nur jeder zweite Platz in der Kirche durfte besetzt werden. Gab es das je zuvor in den 2000 Jahren Christentum? Vielleicht während der grossen Pestepidemien im Mittelalter? Jetzt, an Pfingsten 2020, wurden wegen des Coronavirus das Desinfizieren der Hände sowie der Abstand zwischen den Leuten verlangt: social distancing.
Hedy Züger,
Während elf Wochen waren überhaupt keine Gottesdienste gefeiert worden, das wurde an Pfingsten erstmals wieder erlaubt. Für Pfingstsonntag war schon länger der letzte Einsatz von Pfarrer Hansueli Hug mit Gattin Iris vor der Pensionierung geplant, nach rund 20 Jahren Tätigkeit in der Kirchgemeinde Roggwil. Der Gottesdienst mit Predigt war zwar möglich, doch das Abschiedsfest mit Anstossen im Freien darf erst im Herbst stattfinden. Bis dahin wird Pfarrer Hug diverse Stellvertretungen übernehmen.

Keine Engelchöre
Mesmerin Nicole Gmünder musste gemäss Notrecht des Bundes alle Namen der in der Kirche anwesenden Leute notieren. „Das hat eine symbolische Bedeutung“, sagte Pfarrer Hansueli Hug, Jesus habe ja gesagt, „eure Namen sind im Himmel aufgezeichnet.“ Auf Liederbücher wurde verzichtet, von einer Leinwand konnten die Texte der Lieder abgelesen und mitgesummt werden: „Komm, o komm, du Geist des Lebens.“

Phrygier und Pamphylier
In der Heiligen Schrift wird über das Pfingstfest in Jerusalem berichtet, dass Parther, Meder, Ägypter, Araber und Juden alles in ihrer Sprache verstanden, was über Gottes grosse Taten gesagt wurde. Die Pfingsterfahrung gelte als Gegengeschichte zu jener vom Turmbau zu Babel, zur babylonischen Sprachverwirrung, sagte Hug.
Gott rede zu uns in unserer Sprache. Die Bibel sei aber in 700 Sprachen übersetzt worden. Demgegenüber müssten Muslime den Koran in arabischer Sprache lesen. Bereits Luther setzte sich gegen die lateinische Bibel und für die Volkssprache ein. Jetzt ging Hansueli Hug vertieft auf das Sprachliche ein. Das Wort von Gott sei nicht starr, es sei lebendig. Was wir hören, seien immer die grossen Taten Gottes. Hug: „Wir können davon ausgehen, dass Gott in der Sprache der Liebe zu uns redet.“ Er finde jedes Herz und dessen Sprache.

20 Jahre – 16 Jahre
Von den 20 Jahren im Dienst der Kirchgemeinde wurde Hug während 16 Jahren von Kirchenpräsident Willi Bischofberger begleitet. Dieser bat Hansueli und Iris Hug in den Chor und sprach ihnen den Dank der Kirchbürgerinnen und -bürger aus. Viele erlebten fast nur Gottesdienste mit, doch der Einsatz des Pfarrers sei ein Vielfaches davon. „Du hast hier eine hervorragende Arbeit geleistet“, erklärte der Kirchenpräsident. Er überreichte Hansueli Hug einen Gutschein als Anerkennung. Für Iris Hug gab es einen farbenfrohen Blumenstrauss.
Bereitgestellt: 01.06.2020     Besuche: 41 Monat 
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