Das Geheimnis der Trinität
Der Sonntag nach Pfingsten trägt den Namen «Trinitatis» – (Sonntag) «der Trinität»; mit ihm beginnt im Kirchenjahr die «Trinitatis-Zeit», die bis in den November reicht. Der Name erinnert an die Lehre – oder besser: das Geheimnis – der göttlichen Trinität, oder zu Deutsch: der Dreieinigkeit oder Dreifaltigkeit.
Matthias Maywald,
Diese Lehre besagt, dass Gott in drei «Personen» existiert, die aber wesenseins sind – es sind Drei und doch Einer. Sie trägt vielen Aussagen im Neuen Testament Rechnung. Dort nennt Gott Jesus seinen «geliebten Sohn», und Jesus nennt Gott seinen «Vater» und sagt, dass er «eins» mit ihm sei; und wir hören vom «Heiligen Geist», der Jesus mit Gott-Vater verbindet – und durch den beide auch in uns «wohnen» werden. Mit Pfingsten – dem Fest des Heiligen Geistes – ist die Trinität nun sozusagen vollständig offenbart und enthüllt.
In der kirchlichen Kunst gab es verschiedene Weisen, die Dreieinigkeit bildlich darzustellen. Eine besonders originelle begegnet uns auf einem Fresko in der St. Jakobuskirche in Urschalling (Oberbayern). Es stammt aus dem 14. Jahrhundert. Vater, Sohn und Heiliger Geist werden darauf als drei Personen dargestellt, die sich aber unten vereinen. Das Besondere darüber hinaus ist, dass der Heilige Geist – in der Mitte zwischen Vater und Sohn – als Frau dargestellt wird, also sozusagen als «weibliches» Element im sonst «männlichen» Gottesbild (wobei natürlich auch die Vorstellung von Gott als «Vater» eine blosse Metapher ist – Gott ist nicht männlich oder weiblich).
Ein bekannter Theologe der frühen Kirche – Augustinus – hat die Trinität einmal mit einer Liebesbeziehung veranschaulicht. Diese besteht ebenfalls aus drei «Personen»: dem Liebenden, dem Geliebten – und der Liebe, die sozusagen als Drittes die beiden verbindet. In der göttlichen Trinität sind dies Gott-Vater (= der Liebende), Gott-Sohn (= der Geliebte) und der Heilige Geist (= die Liebe selbst). Dieser Vergleich passt auch insofern, als der Heilige Geist im Neuen Testament mit der Liebe Gottes gleichgesetzt wird.
Von den Muslimen wird die Trinitätslehre übrigens abgelehnt, sie trennt die Religionen. Der Koran sieht in ihr einen Verstoss gegen das Gebot des Monotheismus. Allerdings wird die Vorstellung, die Christen würden zu drei Göttern beten, der Trinitätslehre nicht gerecht; dieser zufolge sind die Drei ja gleichzeitig eins. Die Dreieinigkeit ist eben ein Geheimnis, das wir letztlich nicht fassen können; wir können es nur anbeten – und so daran teilhaben.